Sand 2

“Lass ihn nicht fallen” “Das ist unmöglich”, lache ich und tue so, als ob ich meine Hand öffne. Du schüttelst mit dem Kopf, wie du es immer tust, wenn du mich tadelst. “Doch. Du darfst einfach meine Hand nicht mehr loslassen.” In deinem Blick sehe ich Entschlossenheit aufflackern, wo sich eben noch die Sonne gespiegelt hat, wie in einem Teich. “Also gut. Gehen wir. Wir haben noch einen langen Weg vor uns”, sag ich und ziehe dich sanft am Arm. Du lächelst. “Ja, gehen wir.”

Die aufgehende Sonne schickt ihre ersten Strahlen über den Weg, den wir entlang gehen und zeigt uns immer neue blumen-bemalte Hügel, verwunschene Wälder und spielende Bäche und der Wind pfeift uns ein leises Wanderlied.

In der Mittagshitze flüchten wir zwischen die Bäume, sitzen mit baumelden Füßen auf morschen, kleinen Brücken, waten an Seeufern durch klares Wasser oder kuscheln uns an Berghängen aneinander, mit dem Blick in die Endlosigkeit. Hand in Hand.

“Wenn zuviel herausrieselt, wird etwas Schlimmes passieren-“, sagst du und ich falle ein: “Aber das wird nicht passieren, denn du hast mich und ich habe dich.” Meine Lippen berühren sanft deine Stirn und du flüsterst: “Wir haben uns.”

Und da stehen wir nun. Hand in Hand. Während lautlos Sand, vermischt mit dem Blut aufgeriebener Hände und zerschnittener Sehnsüchte auf den Boden tropft.